Fachanwalt

Erläuterungen zum Fachanwaltstitel

Die Bezeichnung Fachanwalt wird von den Rechtsanwaltskammern vergeben, in denen jeder Rechtsanwalt zwingend Mitglied ist. Der Titel Fachanwalt ist vergleichbar mit einer Zusatzausbildung. Er zeigt, dass der Anwalt auf einem bestimmten Gebiet besondere zusätzliche Kenntnisse hat. Derzeit werden folgende Fachanwaltsbezeichnungen vergeben:

  • Fachanwalt für Agrarrecht
  • Fachanwalt für Arbeitsrecht
  • Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht
  • Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht
  • Fachanwalt für Erbrecht
  • Fachanwalt für Familienrecht
  • Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz
  • Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
  • Fachanwalt für Informationstechnologie
  • Fachanwalt für Insolvenzrecht
  • Fachanwalt für internationales Wirtschaftsrecht
  • Fachanwalt für Medizinrecht
  • Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht
  • Fachanwalt für Migrationsrecht
  • Fachanwalt für Sozialrecht
  • Fachanwalt für Steuerrecht
  • Fachanwalt für Strafrecht
  • Fachanwalt für Transport- und Speditionsrecht
  • Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht
  • Fachanwalt für Vergaberecht
  • Fachanwalt für Verkehrsrecht
  • Fachanwalt für Versicherungsrecht
  • Fachanwalt für Verwaltungsrecht



Um Fachanwalt zu werden, muss der Anwalt einen Fachanwaltslehrgang besuchen. Der zeitliche Umfang dieses Lehrgangs muss mindestens 120 Stunden betragen. Außerdem müssen Klausuren ("Klassenarbeiten") geschrieben und bestanden werden, in denen der Lehrstoff abgefragt wird.

Darüber hinaus muss der Rechtsanwalt nachweisen, dass er in den letzten drei Jahren vor Erteilung des Fachanwaltstitels in "seinem" Fachgebiet eine bestimmte Anzahl von Fällen (je nach Rechtsgebiet zwischen 60 und 120 Fällen) selbständig bearbeitet hat. Die Rechtsanwaltskammer kann auch die Vorlage von anonymisierten Akten verlangen.

Um den Fachanwaltstitel behalten zu dürfen, muss sich der Fachanwalt in der Folge ständig fortbilden (mindestens 15 Stunden/Jahr) und dies der Rechtsanwaltskammer nachweisen.

 

 

Fachanwalt / Fachanwältin für Verwaltungsrecht

Die Anforderungen an einen Fachanwalt für Verwaltungsrecht formuliert § 8 der Fachanwaltsordnung (FAO) wie folgt:

Für das Fachgebiet Verwaltungsrecht sind nachzuweisen

1. besondere Kenntnisse in den Bereichen

a) allgemeines Verwaltungsrecht,
b) Verfahrensrecht,
c) Recht der öffentlich-rechtlichen Ersatzleistung;

2. besondere Kenntnisse in zwei Bereichen des besonderen Verwaltungsrechts, von denen einer aus folgenden Gebieten gewählt sein muss:

a) öffentliches Baurecht,
b) Abgabenrecht, so weit die Zuständigkeit der Verwaltungsgerichte gegeben ist,
c) Wirtschaftsverwaltungsrecht (Gewerberecht, Handwerksrecht, Wirtschaftsförderungsrecht, Gaststättenrecht, Berg- und Energierecht),
d) Umweltrecht (Immissionsschutzrecht, Abfallrecht, Wasserrecht, Natur- und Landschaftsschutzrecht),
e) öffentliches Dienstrecht.

Die Verleihung des Fachanwaltstitels setzt ferner voraus, dass der Rechtsanwalt / die Rechtsanwältin in den letzten drei Jahre vor der Antragstellung im Fachgebiet als Rechtsanwalt persönlich und weisungsfrei mindestens 80 Fälle bearbeitet hat, davon mindestens 30 gerichtliche Verfahren. Mindestens 60 Fälle müssen sich auf drei verschiedene Bereiche des besonderen Verwaltungsrechts beziehen, dabei auf jeden dieser drei Bereiche mindestens 5 Fälle. Von den drei Bereichen muss einer zu den in Nr. 2 aufgeführten Bereichen gehören.

 

Fachanwalt / Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht

Die Anforderungen an einen Fachanwalt für Baurecht und Architektenrecht ergeben sich aus § 14e der Fachanwaltsordnung (FAO).

Für das Fachgebiet Bau- und Architektenrecht sind besondere Kenntnisse nachzuweisen in den Bereichen:

1. Bauvertragsrecht,
2. Recht der Architekten und Ingenieure,
3. Recht der öffentlichen Vergabe von Bauaufträgen,
4. Grundzüge des öffentlichen Baurechts,
5. Besonderheiten der Verfahrens- und Prozessführung.

Die Verleihung des Fachanwaltstitels setzt ferner voraus, dass der Rechtsanwalt / die Rechtsanwältin in den letzten drei Jahre vor der Antragstellung im Fachgebiet als Rechtsanwalt persönlich und weisungsfrei mindestens 80 Fälle bearbeitet hat, davon mindestens 40 gerichtliche Verfahren (davon mindestens 6 selbstständige Beweisverfahren). Mindestens jeweils 5 Fälle müssen sich auf die Bereiche der obigen Nrn. 1 und 2 beziehen.